Sonntag, 7. Dezember 2014

Ville Lumière - Stadt der Lichter

Paris leuchtet und glitzert. Die Champs-Elysée ein Lichtermeer, die Bäume eingepackt in funkelnde Netze.

Jetzt, in der Weihnachtszeit beugt sich der Himmel mit seinen unzähligen Sternen herab und trifft sich mit den von Menschen gemachten Sternen, die über den Straßen pranken.

Über der Rue Oberkampf tropfen vom Nachthimmel Lichter senkrecht nach unten und verdursten erst ein paar Meter über dem Asphalt.

Ville Lumière (Stadt der Lichter) wird Paris auch genannt. Wurde ab Mitte des 19. JAhrhunderts als eine der ersten Städte überhaupt beleuchtet. Gaslampen damals. Und spielte im Zeitalter der Aufklärung eine zentrale Rolle, als es um den Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit ging, und dem Ende des dunklen Mittelalters. Rousseau, Voltaire, Kant und so weiter.

Gestern in die Lichterpracht des Kaufhauses "Galéries Lafayette" in der Rue Haussmann eingetaucht. Hier wird man von Licht und Strahlen ganz eingenommen, die nicht nur von den Leuchten und reichen Weihnachtsschmuck ausgehen, sondern auch von den vielen herrlichen, präziösen Waren wie teure Schminkutensilien, duftende Parfüms und kristallenen Flacons, wunderschöne Kleider, Porzellan, Schmuck,... Diese Größe, die Mächtigkeit des in alle Richtungen glitzernden Kaufhauses versetzt in Staunen, und lässt mich innehalten. Ich weiß nicht mehr was ich eigentlich suchte, und lasse mich durch die verschiedenen Abteilungen der verschiedenen Marken und Waren treiben. Kaufe endlich ein paar Geschenke und Handschuhe, bleibe am goldumrandeten Geländer stehen um zum Atmen zu kommen, und zu mir selbst, und ich staune wieder über diese bunte, funkelnde Welt.
Les-Galeries-Lafayette-Dez-2014
Das Kaufhaus ist berühmt auch für seine Schaufenster in der Adventszeit. In den Vitrinen, die sich wie Theaterbühnen präsentieren, geben die Spielsachen Vorstellungen für die Kinder. Riesige Monsterwesen bewegen sich in Lichterketten gefangen. Puppen ähnlich wie die Muppets, manche mit nur einem Auge ausgestattet, geben eine musikalische Darbietung, nur dass man draussen vor den Vitrinen ihre Musik nicht hört, sondern nur die Puppen sich bewegen.
Les-vitrines-les-galeries-LafayetteEltern und ihre Kinder bewundern das Spielzeug in Bewegung. Ich auch. Mich freuen diese lustigen Figuren und ihre freundlich Kunst.

Dienstag, 2. Dezember 2014

Winter in Paris und Tanzen

Es ist kalt geworden. Zog heute meinen Wintermantel an, und setzte eine Wollmütze auf. Die Hände tief in den Manteltaschen vergraben, mit der rechten die Plastikkarte der Monatskarte für Metro und Zug umklammert.

Auf dem morgendlichen Weg zur Metro spüre ich den kalten Niesel auf den Wangen. Die Straßen glänzen nass, aber sind nicht glatt. Nachtfrost gab es noch keinen. Später auf dem Weg von der Metro bis zum Bürogebäude in Saint-Denis ist es immer noch Nacht, aber der Himmel verändert sich fast unmerklich in indigoblau und kündigt so den Morgen an. Ich gehe schnell, um mich an der Bewegung zu wärmen. Genieße die frische Winterluft. Ich denke an München und die winterlichen Temperaturen dort.

Abends, wenn ich das Büro verlasse, ist es schon wieder dunkel. In Mantel, Schal und einigen Gedanken gewickelt, trete ich den Heimweg an.

Wenn ich früh genug dran bin, so wie gestern, esse ich zu Hause schnell ein Brot, ziehe die Sportklamotten an, packe die knallpinken Trainingsschuhe ein, und mache mich auf dem Weg zum Tanzstudio. Dieses liegt im Osten von Paris. Einmal muss ich umsteigen und die Metrolinie wechseln. Am Platz der Republik steige ich von der orangenen 5 in die braune 11 um. Fahre bis Jourdain. Von dort sind es ein paar Meter noch zu Fuss, vorbei an einer Librairie (Buchhandlung), Restaurants, einen Blumenladen, einen Lebensmittelladen, bis ich dann links abbiegen muss in die Rue de l'Est. Eine unbelebte Seitenstraße. Als ich zum ersten Mal das Tanzstudio aufsuchte habe ich den Eingang erst nicht gefunden. Überall verschlossene Türen. Kein Schild, oder Licht, das auf ein Tanzstudio hingewiesen hatte. Ich hörte aber Musik.

Erst als andere ihren Weg hinter ein Gittertor machten, eine Stahltür öffneten, folgte ich ihnen und einer nackten Betontreppe bis in den zweiten Stock. Dort ein Empfangstisch, wo ich mich anmelden und die Unterrichtseinheit bezahlen kann.

Gestern 1 1/2 Stunden "Popping", eine Form des Streetdance, mitgemacht.

An anderen Abenden lockt mich das Yogastudio, so wie heute.

Wieder an anderen Abenden bin ich verabredet. Mit Kollegen.
Oder ich bin nicht verabredet und skype, lese und schreibe.

Sonntag, 23. November 2014

Streifzüge im November

Es war am Wochenende ungewöhnlich mild für November. Das nutzte ich aus, ging raus und wanderte durch Straßen und Viertel.

Gestern erkundete ich den nördlichen Teil des Marais, den ich noch nicht kannte. War sonst immer im südlichen Marais unterwegs gewesen. Weiter oben ist viel weniger los. Nicht so viele Touristen, und Menschen, die sich durch die Straßen und in die Geschäfte stoßen. Fand ein paar kleine Cafés, in einer kleinen Straße unterhalb des Platzes der Republik, Bars, eine Crêperie, die duftete. In eines der Cafés ging ich hinein, orderte ein Café au lait zum Mitnehmen, und ein Brownie, der mich in der Auslage sofort anlachte. In meiner Hand wog er mächtig, und er schmolz auf der Zunge wie nichts. Mit jedem Bissen ein paar Hundert Kalorien, ein Gefühl von Fülle, und Glückseligkeit. Dazu der duftende, herbe Kaffee. Ich liebte Paris wieder, Kaffee und Brownie schmeckend. Und ohne etwas zu müssen so durch die Strässchen streifend. Überall entdeckte ich etwas bemerkenswertes. Wie das rote, etwas altmodische Damenfahrrad, auf dem Träger hinten eine Weinkiste gefüllt mit Blattwerk.

Heute begann ich meinen Streifzug im Park von Bercy, im Südosten des Stadtkerns. Der Park bezauberte mit den großen, alten Bäumen. Der kühle Wind. Gelbe und braune Blätter bedeckten das Pflaster. Der Park war gut besucht.

Das südliche Ende des Parks begrenzte eine Gasse, an deren Seiten kleine, einfache aber gepflegte Steinhäuschen standen. Diese beheimateten Geschäfte. Nicht alle hatten auf. Ein Deko- und Bastelladen aber hatte offen. Ich ging rein, betrachtete die manngifaltige Weihnachtsdeko, und kaufte mir schließlich zwei Christbaumkugeln. Jetzt kann ich pünktlich zum ersten Advent der Wohnung etwas weihnachtliche Stimmung verleihen.
Park-Bercy

Dann wieder auf dem Weg zurück in den Park, und ich entdecke Starbucks. Ja, ich verspürte Kaffeedurst. Holte mir einen Cappuccino Grande, den ich auf einer hellblau gestrichenen Bank unter vielen Bäumen schlürfte. Es ist schattig. Der November spricht zu mir und sagt, es wird kühler bald.

Marschiere dann über die Brücke der Simone de Beauvoir zur Bibliothèque Nationale de France Francois Mitterand.

Das Areal der Bibliothek bietet Fläche, Raum, Weite. Alles scheint sich sofort auch in mir drin zu weiten. Die Türme, die bis in den Himmel ragen, begrenzen den Horizont, setzen gleichzeitig auch eine Perspektive für die Ferne, und Weite. Schön. Herrlich finde ich es hier. Die Sonne geht unter, ein lichter Ball über dem Bauwerk.
Bibliotheque-Nationale-de-France-Francois-Mitterand
Ich durchschreite das Außengelände der Bibliothek, überquere ein Straßenachse, und tauche ins 13. Arrondissement ein. Zunächst wandere ich durch Wohngegenden. Viele Hochhäuser standen dort. Erreiche dann den Place d'Italie. Wieder öffnet sich der Raum.

Ich mache noch einen Abstecher in das Quartier La Butte aux Cailles. Es kommt mir vor wie ein Dorf inmitten der Stadt. Gemütlich fast, nicht so hektisch. Die Häuser auch niedriger gebaut. Ein paar Bars und Salons de Thé beleben diese kleinen Sträßchen. Alles unaufgeregt, und doch interessant.

Montag, 17. November 2014

Die sich ankündigende Vorweihnachtszeit...

Paris hat begonnen ihr vorweihnachtliches Kleid anzuziehen. Über den Straßen, zum Beispiel der Rue Oberkampf, durch die ich regelmäßig auf dem Weg zum oder vom Yogastudio schlendere, hängen Lichterketten und bilden große, runde Formen. Noch leuchten sie nicht. Aber sicher wird Paris bald glitzern wie Schneekristalle in der Sonne.

Pablo Picasso Museum

Pablo-Picasso-Museum-

Sonntag, am späteren Nachmittag, Besuch im Musée Pablo Picasso, das erst vor kurzem wiedereröffnet worden ist. Der Besucherandrang groß. Vor dem Eingang faltete sich eine lange Schlange in vielen Kurzen und parallelen Pfaden zusammen. Ich wartete mehr als eine Stunde. Ich habe am Ende die Uhr nicht mehr gefragt. Es regnete. Die meisten standen mit Schirmen. Auch ich. Einige Leute harrten in einer Regenjacke mit Kapuze aus. Alltes tropfte. Alles platschte. Die Schuhe nass. Nach einer guten Weile drang die Feuchtigkeit und mit ihr die Kälte durch die Jacke und ging bis auf die Haut. Irgendwann aber hat man schon so lange gewartet, dass man nicht mehr aufgeben will. Man wartet, tapselt wieder ein paar Schritte vorwärts und wartet wieder. Ich fröstelte. Es begann zu dunkeln.

Dann, dann war es geschafft.

Ich stand vor den Gemälden des Pablo Picasso, immer noch fröstelnd. Die Farben, Formen, die Stärke der Konturen belebten meinen Geist.

Wunderschöne Farben. Gelbe dicke Striche auf tiefnächtlichem Blau. Ein saftiges Grün im großen Format des "Déjeuner dans l'herbe" (Frühstück im Gras).

Viele Frauenpotraits. Die Augen in 90 Grad verdreht zueinander hingesetzt, die Nase zur Seite aus dem Gesicht ragend, der Mund irgendwo... Durch diese verzerrten Formen schien sich die Frau, die Figur zu bewegen. Viel Raum haben diese Bilder.

Gefallen hat mir auch sehr "The studio of Calofornie". Ein Raum, mit vier hohen Rundbögen, nein, es wahren eher Spitzbögen, wie gotische Fenster einer Kirche. Picasso, glaube ich, malte aber Surfbretter. Denn an einem dieser Formen erkenne ich unten zwei Finnen. Je länger ich das Gemälde betrachte, desto mehr gewinnt es an Räumlichkeit, und an Kraft und Leben. Als könne man in die Welt von Picasso eintreten, wenn man lange genug da steht, und schaut.

Dienstag, 11. November 2014

Tik Tak

Sehr sehr lange geschlafen. Elfeinalb Stunden. Musste mich regelrecht aus dem sich immer wiederholenden Wegsinken rausheben, mir einen Ruck geben, um endlich aufzustehen. Setzte mich auf die Bettkante. Kurze Zeit darauf stand ich auf, benommen vom Schlaf und kurbelte die Rolläden hoch.

Blauer Himmel, Licht, Sonne. Und ich hatte mich den halben vormittag schon im Dunkel vergraben, denke ich.

Ich werde heute ohnehin nicht viel von der Sonne sehen. Heute nachmittag steht der Yoga-Workshop an. Der findet ja auch in Innenräumen statt, nicht draußen, in keinem Park wei den Bois de Boulogne oder den Bois de Vincennes. LEtzteren hab ich noch gar nicht besucht. Sitze jetzt bei einer Tasse schwarzen Kaffee am großen Glastisch im geräumigen Ess- und Wohnzimmer. Mit jedem Schluck Kaffee, mit jedem Atemzug, und jedem Ticken der Uhr werde ich wacher.

Eine Uhr ticken hörte ich schon lange nicht mehr. Das Ticken der Uhr kommt mir irgendwie altmodisch vor. Meine Oma, die schon lange nicht mehr lebt, hatte eine solche Uhr. Und meine entfernte Verwandte, ich glaube eine Cousine über viele Ecken, in Eisenach auch. Sie lebt noch, aber ist schon alt. Das Ticken der Uhr, empfinde ich angenehm, gemütlich, ja beruhigend. Und wie als verginge die Zeit langsamer, wenn man sie verstreichen hört. Wenn die Zeit sonst immer zu fliegen scheint, und dann der Satz: "schon wieder ein Jahr rum..." trifft sie jetzt in diesem Tick, Tick auf die Gegenwart. Ist nicht schon vergangen, sondern ist jetzt, wahrnehmbar.

Vielleicht finde ich das Ticken der Uhr aber auch schlicht deswegen angenehm, weil ich tickende Uhren immer bei älteren Menschen gesehen, gehört habe. Meine Oma, die Groß-groß-Cousine, Onkels,... Bei älteren Menschen geht ja alles gemütlicher, langsamer zu. Sitzen da, als hätten sie alle Zeit der Welt plötzlich am Ende des Lebens, müssten nichts mehr ganz schnell wollen und machen, sondern sitzen da am Tisch, und haben Zeit. Und sagen doch, jetzt bin ich "schon" alt.

Ich trinke jetzt eine zweite Tasse Kaffee und frühstücke was.

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